Pressemeldung Schwabacher Tagblatt |
Mehr Dialog statt Weisungen
Die Schwabacher Johannes-Helm-Schule beteiligt sich
am bayerischen Bildungsprojekt "Modus F"
SCHWABACH (rg) – Die Erprobung zeitgemäßer Führungsstrukturen. Genau darum geht es bei einem Modellversuch, den die „Stiftung Bildungspakt Bayern“ finanziert und den das Bayerische Kultusministerium unterstützt. „Modus F“ heißt er und ist eine Abkürzung für „Modell Unternehmen Schule – Führung“. Bayernweit nehmen 52 Schulen aller Gattungen mit Ausnahme der Berufsschulen an dem auf fünf Jahre ausgelegten Projekt teil. Unter ihnen ist die Schwabacher Johannes-Helm-Schule. An der Penzendorfer Straße wird seit diesem Schuljahr ausprobiert, was möglicherweise in einigen Jahren an Bayerns Bildungseinrichtungen Standard wird.
„Modus F“? Davon werden weder die 506 Schülerinnen und Schüler an der Helmschule noch ihre Eltern viel mitbekommen. Vorerst zumindest.
Ziel: ein besserer Unterricht
Schließlich geht es zunächst darum, die Beziehung zwischen Schulleitung auf der einen und den 33 Lehrerinnen und Lehrern auf der anderen Seite neu auszutarieren. Doch Rektor Dr. Gerald Klenk betont, „dass wir nicht nur Papier bewegen und uns mit uns selbst beschäftigen“.
Ziel müsse es vielmehr sein, zu einem besseren und zu einem individuelleren Unterricht zu kommen. „Am Ende muss der Schüler proftieren“, sagt er.
Bewegung in alte Strukturen
„Modus F“, das ist der vorsichtige Versuch, Bewegung in das starre Korsett der Schul-Hierarchie zu bekommen. Die Welt dreht sich schnell und schneller. Die Wirtschaft ist globalisiert.
Doch Bayerns Schulsystem ist immer noch aufgestellt wie im 19. Jahrhundert. Oben gibt das Kultusministerium den Takt vor. Darunter die Bezirksregierungen und die Schulämter.
Und an den Schulen selbst soll der Rektor alles können, alles machen und alles entscheiden. Die Lehrer geben ihren Unterricht und fragen ansonsten beim Chef nach: „Wie hätten Sie’s denn gerne?“
Zumindest damit soll jetzt Schluss sein. „Mehr Dialog, weniger Weisung“, heißt jetzt die Devise an der Johannes-Helm-Schule.
Zwischen Rektorat und Lehrerzimmer hat Gerald Klenk eine Art mittleres Management installiert. Fast ein Dutzend Teams – beispielsweise Team Religion oder Team Jahrgangsstufen 3/4 – sollen viele Dinge selbst in die Hand nehmen und entscheiden, ohne dass sich die Spitze einmischt.
Gelenkt werden die Teams von einer regelmäßig tagenden Steuergruppe. „Es geht letztlich um eine Demokratisierung der Schule“ sagt Klenk. Dass er damit selbst Macht abgibt, stört den Rektor nicht. „Das gehört natürlich dazu.“ Die neuen Freiheiten sollen über Umwege den Schülern zugute kommen. Wer Verantwortung trägt, ist zufriedener im Job. Was in der Wirtschaft gilt, soll künftig auch bei den Lehrern gelten. „Und wer zufriedener bei der Arbeit ist, gibt auch besseren Unterricht“, ist Klenk überzeugt.
Versuch läuft fünf Jahre
Ob das alles wirklich funktioniert, wird man nach fünf Schuljahren sehen. Dann wird unter diese eher experimentelle Form der Bildungspolitik ein Strich gezogen und bilanziert. „Modus F“, davon ist der Schwabacher Schulleiter überzeugt, wird jedoch nicht auf dem Abstellgleis landen. „Vieles von dem, was wir jetzt ausprobieren, wird in ein paar Jahren Alltag sein.“
11.6.2007 16:28 MEZ
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